ERLEBNISPÄDAGOGIK:

Grundidee:    - Neue Fähigkeiten erkennen, herausheben und  stärken
            - Förderung des kooperativen Verhaltens innerhalb des             Gruppenverbandes
■    an seine Grenzen gehen und folgende Punkte annehmen:
Herausforderung, Neuartigkeit, Aufforderungscharakter, Ernstcharakter, Problemlösung , Grenzerfahrung, Beziehung in der Gruppe, Ganzheitlichkeit, Wechselspiel von Aktion und Reflexion, Werteendeckung, Selbstorganisation, Selbstgesteuerter Prozess
Zielgruppe: Jugendgruppen, straffällige Jugendliche, Jugendliche aus dem Heim
Pädagogische Zielsetzung:
    -Verbesserung sozialer Kompetenzen   
    -Persönlichkeitsentwicklung
-Teamfähigkeit, Vertrauen zu anderen
-Fähigkeit zur Konfliktlösung
-Integration von Außenseitern- Verbesserung der Atmosphäre

Die Erlebnispädagogik nutzt Gruppen-Erfahrungen in der Natur (Wald, Gebirge, See), um die Persönlichkeit und soziale Kompetenzen zu entwickeln. Natursportarten (Segeln, Reiten, Radfahren, Outdoortraining, Sportklettern, Höhlenforschen, Kajakfahren, Floßfahren) bieten dabei ein breites Spektrum an Erlebnismöglichkeiten, ergänzt mit Methoden aus Theater-, Abenteuer- und Spielpädagogik, der Gruppendynamik und der Sozialpädagogik.

Erlebnispädagogik gilt heute als integrativer Bestandteil ganzheitlicher Erziehungs- und Bildungskonzepte. Ursprünglich in der Reformpädagogik verwurzelt, gewinnt sie in jüngster Zeit wieder an Bedeutung, da Schlüsselqualifikationen wie soziale Kompetenz, Wagnisbereitschaft und Persönlichkeit eine zunehmende Rolle in der Gesellschaft spielen.

 

Thesen der Erlebnispädagogik:

These 1: „Jung sein heißt Schüler sein“

These 2: „Neben Eltern, Schule und Peergroup sind die Medien zu einem neuen Sozialisationsagenten geworden.“

These 3: Der Verlust der sozialen Lernmöglichkeiten muss pädagogisch aufgefangen werden.“

These 4: „ Handlungsorientierte Methoden in der Jugendarbeit pendeln notwendigerweise zwischen Krise und Konjunktur.“

These 5: „Das Jugendalter ist nach wie vor eine Phase von psychischen Krisen, deren Lösung ins Erwachsenendasein führt.“

These 6: „ Die Bedeutung des Abenteuers wird besonders sichtbar in jugendlichen Subkulturen.“

 

Vergleich Erikson:

Moratorium für Jugendliche- Beispiel Mädchen auf dem Reiterhof : Outdoor-Maßnahme

Vergleich Krappmann:

gerade während Erlebnissen stellen Jugendliche ihre Identität dar

sie müssen dabei Empathie entwickeln

erst bei der Reflexion findet Rollendistanz statt

Erlebnispädagogik verlangt selten Ambiguitätstoleranz

 

gefährdete Jugendliche:

  • können die Aufgabe, den eigenen Lebenslauf schon früh selbst zu planen und zu gestalten, nur schwer bewältigen

  • haben kaum finanzielle Ressourcen, ihre Freizeit über kommerzielle Angebote erlebnisintensiv zu gestalten

  • kommen nur schwer mit der affektreduzierten und körperdistanzierten Lernkultur in der Schule zurecht

  • leben häufig in monoton gestaltenen Wohnsiedlungen und finden nur triste Spiel- und Bewegungsreale vor

  • sehen vielfach nur noch in körperlicher Präsenz in Räumen eine Möglichkeit überhaupt noch wahrgenommen zu werden

---> Die Natur bietet einen interessanten Rahmen in denen die Jugendlichen Zugang zu ihren Gefühlen bekommen.

Mit Hilfe von Wikipedia:

Die Geschichte der Erlebnispädagogik

Die Geschichte der Erlebnispädagogik kann nur aus einer Zusammenschau der Geschichte der Philosophie, der Psychologie, der Soziologie und der Pädagogik beschrieben werden.

Die Erlebnispädagogik, wenn auch noch nicht unter diesem Begriff, war seit jeher eine Methode, die versucht hat, den Erziehungsmethoden der jeweiligen Zeit, die als reformbedürftig empfunden wurden, etwas entgegenzusetzen. Die wichtigsten Vertreter und Vordenker sind Jean-Jacques Rousseau, Henry David Thoreau, Franz Pöggeler, und Kurt Hahn, der auch als der Urvater der deutschen Erlebnispädagogik gilt.

Jean-Jacques Rousseau

Ganz bedeutende Grundlagen der Erlebnispädagogik finden wir dann in der neueren Zeit bei Jean-Jacques Rousseau (1712–1778), welcher in seinem Buch Emile oder über die Erziehung für eine „Natürliche Erziehung“ plädiert.

Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers kommt, alles entartet unter den Händen des Menschen.“

Dieser erste Satz aus Emile verdeutlicht gleich zu Beginn die Quintessenz des Werkes, die häufig mit dem Schlagwort Zurück zur Natur wiedergegeben wird. Rousseaus Ziel ist eine Erziehung ohne Erzieher, die durch natürliche Strafe, d.h. die negativen Folgen von unpassenden Handlungen, zum freien Menschen führt. Nach Rousseau wird der Mensch durch drei Dinge erzogen:

Die Natur oder die Dinge oder die Menschen, wobei die Reihenfolge der Erwähnung ihre Bedeutung anzeigt. Demnach orientiert sich das Lernen nicht so sehr an der Person des Erziehers, sondern vielmehr an den Wirkungen, die sich aus dem Umgang mit gegenständlichen Dingen in der Natur ergeben. Die Erziehung durch Menschen hat das einzige Ziel, die Erziehungsgewalt der Natur und der Dinge zu stärken und negative Einflüsse, wie Gesellschaft, Wissenschaft, Kunst und Zivilisation zu verhüten.

Rousseau kann als Vertreter des handlungsorientierten Lernens gesehen werden:

Leben heißt nicht Atmen, sondern Handeln“

Erlebnis und Unmittelbarkeit sind die beiden wichtigsten Säulen der Rousseau'schen Erziehungsutopie. Damit errichtete Rousseau bereits im 18. Jahrhundert die Grundmauern zum Gedankengebäude der Erlebnispädagogik.

Henry David Thoreau

100 Jahre später wurde diese Arbeit von Henry David Thoreau (1817–1862) weitergeführt. Thoreaus Ziel war das ursprüngliche und unmittelbare Leben ohne Mittler. Thoreau machte, wie auch Rousseau den damals herrschenden Zeitgeist, wie Luxus, Bequemlichkeit, Mode, Zivilisation und Technik für den Verlust der Unmittelbarkeit verantwortlich. Er suchte nach den eigentlichen Lebensbedürfnissen des Menschen und versuchte in einer selbstgebauten Blockhütte am Walden-See nahe seiner Heimatstadt Concord zweieinhalb Jahre lang ein bedürfnisloses Leben zu führen, um zum eigentlich Wichtigen vorzustoßen. Neben der Natur, an der jeder jederzeit kostenlos lernen konnte, war Thoreau der Ansicht, dass man Volkshochschulen einrichten sollte, die Bildung und Weltsicht verschaffen sollten.

Lord Baden-Powell und die Pfadfinder

1907 gründete Robert Baden-Powell in England die erste Pfadfindergruppe. Er ist mit der Pfadfindermethode der geistige Vater der modernen Erlebnispädagogik. Das pädagogische Motto der Pfadfinderbewegung "learning by doing" stammt von Baden Powell und wurde später in die Erlebnisspädagogik übernommen. Sein Konzept, gezielt Verantwortung zu übertragen und Kindern und Jugendlichen "etwas zu zutrauen" war in den puritanisch und konservativ geprägten europäischen Gesellschaften um die Jahrhundertwende sehr neu. Zur Pfadfinderbewegung gehörten 2006 weltweit mehr als 38 Millionen Kinder und Jugendliche aus 216 Ländern. Die Methode wurde von vielen anderen Jugendverbänden übernommen und hat die Jugendarbeit, die Sozialpädagogik, die Reformpädagogik und Schulpädagogik beeinflusst. Viele Elemente wurden ins Outdoortraining übernommen und werden im Managementtraining und Teamtraining eingesetzt.

Erlebnistherapie nach Kurt Hahn

Kurt Hahn (*5. Juni 1886 Berlin; †14. Dezember 1974 in Salem). Da Hahn keine konventionelle Karriere als Lehrer oder Erzieher vorweisen kann, fällt die Einordnung und Würdigung seiner Person und seines Werkes schwer. Er wird oft als „Vater der Erlebnispädagogik“ bezeichnet, obwohl er weder studierter Pädagoge noch Politiker mit Mandat war. Trotzdem hat er Teilbereiche der Pädagogik entscheidend beeinflusst.[1]

Die Erlebnispädagogik hatte mit Hahn um 1930 in Deutschland ihren ersten Höhepunkt. Sie wurde in der Reformpädagogik zu einem wichtigen Pfeiler des Unterrichtsverständnisses. In der Dissertation von Waltraut Neubert (1930), einer akademischen Schülerin von Herman Nohl (Universität Göttingen), dürfte das transparent werden.[2] Das Erlebnis wurde dabei als ein „methodischer Grundbegriff der modernen Pädagogik“ neben dem der Arbeit verstanden, wobei die Schule als „Erlebnisfeld des Kindes“ galt.

Hahn selbst war Vertrauter und politischer Berater des Prinzen Max von Baden und leitete 1920 bis 1933 das Landerziehungsheim Schule Schloss Salem. Er gründete 1934 im britischen Exil die „British Salem School“ in Gordonstoun (Schottland), nachdem er aufgrund seiner Ideen und seiner jüdischen Herkunft in Deutschland nicht mehr sicher war. 1941 gründete er eine Kurzschule mit mehrwöchigen Kursen, die (erlebnispädagogischen) Modellcharakter gewann. Hahn wandte sich mit seiner Pädagogik gegen die von ihm durch Beobachtungen diagnostizierten Verfallserscheinungen seiner Zeit:

  • Mangel an menschlicher Anteilnahme

  • Verfall körperlicher Tauglichkeit

  • Mangel an Initiative und Spontanität

  • Mangel an Sorgsamkeit

Mit einem erlebnistherapeutischen Konzept sollten diese Krankheiten der Gesellschaft bekämpft werden, um so heilenden Kräften zur Entfaltung zu verhelfen. Kurt Hahn war stets bemüht, möglichst viele Jugendliche zu erreichen. Er begann mit einer Reihe von Lehrgängen mit Jugendlichen, bei denen körperliches Training im Mittelpunkt stand, bevor er in Aberdovey gemeinsam mit dem Reeder Laurence Holt die erste Bildungsstätte mit dem Namen „Outward Bound“ gründete, in der ausschließlich kurzzeitpädagogische Kurse durchgeführt wurden. Die Teilnehmer an den vierwöchigen Kursen waren 16– bis 20-jährige Schüler.

Den vier festgestellten Mangel- und Verfallserscheinungen setzte Kurt Hahn Elemente seiner Erlebnistherapie entgegen:

  • körperliches Training (unter anderem durch leichtathletische Übungen und Natursportarten wie Segeln, Kanufahren, Bergwandern)

  • den Dienst am Nächsten (hier explizit von seinen Schülern, je nach Standort, geleistete Küstenwache bzw. See- oder Bergrettungsdienst)

  • das Projekt (Aufgabenstellung mit hoher, aber erreichbarer Zielsetzung bei selbständiger Planung und Durchführung im handwerklich-technischen bzw. künstlerischen Bereich)

  • die Expedition (meist mehrtägigen Berg- oder Skitouren, Floßfahrten etc., bei denen es neben der natursportlichen Aktivität auch um lebenspraktische Alltagserfahrungen gehen sollte, wie z. B. versorgen, transportieren, Nachtlager bereiten.)

Die Wirksamkeit der Erlebnistherapie hängt nach Hahn im wesentlichen von der Erlebnisqualität der Aktionen ab. Denn je mehr der Teilnehmer die Aktionen für sich als außergewöhnliches Erlebnis wahrnimmt, desto tiefgreifender ist die heilende Wirkung. Heilsame Erinnerungsbilder, die auch Jahre später noch abrufbar sind, sollten bei späteren Bewährungsproben steuernd wirken.

Kurt Hahn verstand die Natur- und Kulturlandschaften als erste und wichtigste Handlungsfelder seiner Erziehung. Voraussetzung und Bedingungen waren für ihn die Ernsthaftigkeit und Unmittelbarkeit der Situation. Echtzeit, Direktheit und Authentizität sind heutzutage in einer hochtechnisierten und durchmediatisierten Welt gefragter denn je. Körperlichkeit und das Gefühl, physische und psychische Anstrengungen als lustvoll zu erleben sind Ansatzpunkte zeitgemäßer, moderner Erlebnispädagogik.

Erlebnispädagogik von 1945 bis heute

In der deutschen Erziehungswissenschaft nach 1945 wurde die Erlebnistherapie nach Kurt Hahn nur am Rande wahrgenommen. Die Instrumentalisierung kulturkritischer Attitüden und erlebnispädagogischer Elemente durch die Nationalsozialisten mag ein Grund gewesen sein, dass erlebnispädagogische Ansätze zunächst nicht aufgegriffen wurden. Die Alliierten versuchten mit Nachdruck in die Erziehung der deutschen Jugend einzugreifen. Dazu wurde ein Programm aufgelegt, das die vorhandenen Einprägungen des Nationalismus löschen sollte. Jugendverbänden wurde anfangs verboten, sich überregional zu organisieren, wahrscheinlich aus Vorbehalt der Alliierten gegenüber "Kluft" tragenden deutschen Gruppierungen, wie beispielsweise den Pfadfindern.

Es waren vornehmlich Jugendverbände, die seit 1945 in Deutschland mit ihren pädagogischen Ansprüchen und Inhalten auf Elemente der Erlebnistherapie zurückgriffen, meistens jedoch unbewusst und intuitiv. Jedoch würde man der Jugendarbeit im Nachkriegsdeutschland mit dem Etikett „Erlebnispädagogik“ nicht gerecht werden, da das „Freiluft“leben keine pädagogischen Beweggründe hatte. Meistens ging es dabei aber mehr um verbandspolitische Interessen.

Die von Kurt Hahn initiierten Bildungsstätten des „Outward Bound“ nahmen eine recht kontinuierliche Entwicklung, obwohl sie in der deutschen Entwicklung der Erlebnispädagogik zunächst wenig Beachtung fanden. 1946 wurde der Outward Bound-Trust in London gegründet, und ist heute weltweit als „Outward Bound International“ bekannt, und betreibt heute über 50 Einrichtungen in 35 Ländern.

Die inhaltlichen Schwerpunkte von Hahns Erlebnistherapie haben sich aber seitdem verändert. Die Inhalte des Elements „Dienst am Nächsten“ haben sich durch die Professionalisierung der Rettungsdienste verändert und beschränken sich nun auf die Ausbildung in Erster Hilfe, wurden aber durch das Engagement in sozialen und ökologischen Bereichen erweitert.

Das Schlagwort „Erleben statt reden“ aus den 1980er Jahren drückt aus, was viele (Sozial-) Pädagogen dieser Zeit fühlten: Es ist lange genug geredet und diskutiert worden. Die großen Themen der 1970er waren mit Grundsatzbeschlüssen, politischen Bekenntnissen und Endlosdiskussionen abgedeckt worden, ohne dass die pädagogischen Probleme vor Ort gelöst wurden.

Segeln in der Erlebnispädagogik

Seit den 50er Jahren ist das Segeln zu einem festen Bestandteil in der Erlebnispädagogik geworden. Anfangs wurden Segelprojekte hauptsächlich zur Resozialisierung von straffällig gewordenen und drogenabhängigen Jugendlichen eingesetzt. In den 80er Jahren wurden die Vorteile des Segelns dann auch für die Schulpädagogik entdeckt und Segelschiffe wie die Thor Heyerdahl in Dienst genommen.

Grundlagen der modernen Erlebnispädagogik

Damit man einen Einblick in die moderne Erlebnispädagogik und ihre Besonderheiten bekommt, muss man sich neben der Auseinandersetzung mit der Geschichte, auch noch mit verschiedenen anderen Aspekten dieser besonderen Form der Pädagogik befassen. Im folgenden befindet sich ein Überblick über die wichtigsten Gesichtspunkte der Erlebnispädagogik und eine Erklärung der wichtigsten Elemente und Begriffe.

Das Erlebnis

Der zentrale Begriff bei allen erlebnispädagogischen Ansätzen ist das Erlebnis.

Erlebnisse sind Bewusstseinsvorgänge, in denen der Mensch tief innerlich und ganzheitlich von der Sinn- und Wertfülle eines Gegenstandes ergriffen wird.“

Wichtig dabei: Erlebnisse ergeben sich, im Gegensatz zu Ereignissen, nur aus der subjektiven und individuellen Ansicht des einzelnen Menschen. Einzelne Situationen werden erst dann zu Erlebnissen, wenn sie vom Betrachter als etwas Besonderes bzw. Außeralltägliches wahrgenommen werden.

In der Erlebnispädagogik beinhaltet das Erlebnis soziologische, psychologische und pädagogische Dimensionen.

Charakteristika des Erlebens

Wenn man sich mit dem Begriff „Erlebnis“ auseinandersetzt, begegnen einem zwei Begriffsverständnisse, die sich nach dem Grad der persönlichen Betroffenheit unterscheiden: 'Erlebnis' steht einerseits einfach für eine unmittelbare persönliche Erfahrung. Dies kann auch ein 'Alltagserlebnis' sein. Andererseits wird 'Erlebnis' häufig mit dem 'besonderen Erlebnis' gleichgesetzt, das außergewöhnliche Emotionen weckt. Mit dem zweiten verbindet man Begriffe wie Aktivität, Unmittelbarkeit, Spannung, Emotionalität, Abwechslung und Authentizität. Sie bringen das Besondere, das nicht Alltägliche zum Ausdruck und sind in der Regel mit hohen Anforderungen an die Persönlichkeit, mit Abenteuer und Wagnis, verbunden, [3] müssen (bisweilen unter Opfern) erarbeitet werden. Hier setzen die meisten der zahlreichen erlebnispädagogischen Konzepte an. Dementsprechend sehen Heckmair und Michl[4] das Erlebnis und den Alltag als „zwei schlecht verträgliche Dinge“.

Ein Erlebnis im erlebnispädagogischen Sinne ist also nicht etwas Alltägliches, sondern ein besonderes Ereignis. Man verbindet Erlebnisse eher mit dem Neuen, Ungewohnten und Unbekannten, obwohl aus psychologischer Sicht das Erleben als neutral definiert wird. Sowohl banale alltägliche Dinge als auch intensive außergewöhnliche Eindrücke sind hier einbezogen. In der Psychologie bezieht sich das Erleben auf die unterschiedlichsten Dinge, beispielsweise auf Umwelteindrücke, auf das eigene Handeln, auf seelische und körperliche Prozesse oder auf zwischenmenschliche Einflüsse. Inhalte des Erlebten, die als bedeutungsvoll angesehen werden, werden zu Eindrücken verarbeitet, die positive oder negative Gefühle oder Erinnerungen hervorbringen können. Für den Menschen stellt das Erleben etwas Persönliches und Subjektives dar, das unmittelbar wahrgenommen wird.

Wichtig für die Erlebnispädagogik ist aber, dass nur die Qualität der Wirkungen von Erlebnissen subjektiv und unmittelbar ist, nicht aber die Herkunft. Während erlebnispädagogischer Maßnahmen ist der größte Teil der gemachten Erlebnisse durch eine pädagogische Konzeption (Setting) sozial konstruiert bzw. beeinflusst.

Pädagogik und Erlebnis

In der Pädagogik können Erlebnisse als etwas Gewolltes oder Erwünschtes angesehen werden. Diese sind aber nicht planbar oder voraussagbar, weil subjektiv bedingt. Erlebnisse sind zufällige, vielleicht sogar unbeabsichtigte Vorkommnisse, die erst durch die persönliche Einordnung in individuelle Kategorien, durch Reflexion und Vergleich zu Besonderheiten werden - im Nachhinein. Hier wird ein häufiger Kritikpunkt an der Erlebnispädagogik deutlich. Planbar sind lediglich die Gelegenheiten und damit gewisse förderliche Bedingungen für das persönliche Erlebnis. Da Erlebnisse subjektiv und unwillkürlich entstehen, lassen sie sich nicht zielgenau herbeiführen und sind damit nicht pädagogisch vorausplanbar. Jedoch besteht darin der pädagogische Ansatz der modernen Erlebnispädagogik. Ein pädagogisches Setting lässt sich so gestalten, dass Lernziele, Wirkungen und Erfahrungen möglich oder sehr wahrscheinlich werden. Die Wirkung von erlebnispädagogischen Lernangeboten ergibt sich daher nicht direkt aus den abenteuerlichen Erlebnisfeldern, sondern durch die spezifische Weise in der sie genutzt, präsentiert und kombiniert werden. Gelehrt werden soll, sich selbst einschätzen zu können und sich selbst wahrzunehmen, um die eigene Position im persönlichen wie im gesellschaftlichen Umfeld zu finden.

Begriff und Merkmale

Wie bedeutsam und umfangreich die Erlebnispädagogik in den letzten 20 Jahren geworden ist, zeigt ein vergleichender Blick in Nachschlagewerken und Fachlexika.[5] Eine allgemeingültige Definition des Begriffs Erlebnispädagogik, ist aber trotzdem nicht leichter geworden, und zwar aus drei Gründen:

  • Es existieren mittlerweile eine Reihe von Begriffen die zum Teil synonym und zum Teil konkurrierend genutzt werden und alle das Verhältnis von Erlebnis und Erziehung beschreiben wollen.

  • Es ist an einigen Stellen der erlebnispädagogischen Diskussion eine Tendenz zur Entgrenzung zu beobachten, wonach jedes handlungsorientierte Lernarrangement als Erlebnispädagogik bezeichnet wird.

  • Es gibt heutzutage eine größere Angebotspalette, die einerseits Kurzzeitmaßnahmen von wenigen Tagen umfasst und auf der anderen Seite langfristige Projekte wie mehrmonatige Segeltörns oder Reiseprojekte für Jugendliche im Ausland.

Die folgende Definition von Heckmair und Michl versucht, die oben genannten Probleme zu berücksichtigen:

Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, diese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dazu befähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten.“

Dieser Versuch einer Definition kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine eindeutige Definition immer noch fehlt, was nicht überrascht, da eine tragfähige Fundierung der Erlebnispädagogik weiterhin aussteht. Dennoch lassen sich aus dieser Definition bestimmte Merkmale ableiten, die für die moderne Erlebnispädagogik charakteristisch sind:

  • Handlungsorientierung und Ganzheitlichkeit

    Im Mittelpunkt des Lernprozesses steht die tätige Auseinandersetzung mit einer Aufgabe, wobei Erfahrungen selbst gemacht werden müssen. Wissen, Fähigkeit und Werte werden über direkte Erfahrungen erarbeitet und vermittelt. Unter Ganzheitlichkeit ist zu verstehen, dass alle Dimensionen des Menschen angesprochen werden, d.h. Körper, Geist und Seele.
  • Lernen in Situationen mit Ernstcharakter

    Von besonderer Bedeutung für das Setting ist in einer erlebnispädagogischen Maßnahme der Ernstcharakter einer Situation. Es müssen Lernsituation gefunden werden, deren Charakter derart beschaffen ist, dass sich Aufgaben und Anforderungsstruktur als natürlicher Sachzwang ergeben.
  • Gruppenorientierung

    Erlebnispädagogik stellt sich überwiegend als gruppenpädagogisches Angebot dar. Sozialpädagogische Angebote zielen dabei auf die Förderung von Sozialen Kompetenzen und Kooperationsfähigkeit durch das Arrangement von Lernsituationen, die verdeutlichen, dass Zusammenarbeit notwendig ist.
  • Erlebnischarakter

    Die bisher genannten Merkmale ließen sich auch in alltäglichen Situationen konstruieren. Charakteristisch für die Erlebnispädagogik ist, dass die Lernsituationen außergewöhnlich sind, d.h. vielfältig, nicht alltäglich, real und ernsthaft sein müssen, um so Grenzerfahrungen zu ermöglichen. Ungewöhnliche und außerordentliche Situationen erhöhen die Chance, dass aus einem Ereignis ein nachhaltig wirkendes Erlebnis wird. Deshalb findet Erlebnispädagogik mit Distanz zum Alltag statt.
  • Freiwilligkeit

    Jeder Mensch muss selbst entscheiden, ob er an einer erlebnispädagogischen Maßnahme teilnehmen will oder nicht. Das Prinzip der Freiwilligkeit geht davon aus, dass Lernerfolge nicht erzwungen werden können und deshalb abhängig von der Motivation und Wahlfreiheit des Einzelnen sind. Die Aufgabe der Erlebnispädagogen besteht darin, die Teilnehmer zu ermutigen und anzuspornen, sich in die Lernsituation zu wagen. Die endgültige Entscheidung wird von dem Teilnehmer selbst getroffen und muss vom Pädagogen akzeptiert werden.
  • Pädagogisches Arrangement

    Erlebnisträchtige Situationen werden erst dann zum erlebnispädagogischen Arrangement, wenn sie pädagogisch instrumentalisiert werden. Dazu gehören einerseits gezielte Planungen und Realisierungen von Angeboten, andererseits aber auch – was wichtig für den Erfolg der Maßnahme ist – die Begleitung von erlebnispädagogisch geschulten Begleitern.

Das Lernen

Lernen ist ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens. Wir lernen von Geburt an durch ein selbstverständliches „Mitleben“ und alltägliches „Dabeisein“. Es ist ein Anliegen der Pädagogik im Rahmen initiierten Lernens dem jungen Menschen zur Persönlichkeitsentwicklung und sozialen Integration Inhalte, Werte und Fähigkeiten vermitteln. Simon Priest geht davon aus, dass alles Lernen auf Erlebnissen basiert. Zu Erfahrungen werden sie, wenn das Erlebte reflektiert und transferiert wird. Erfahrungslernen geschieht demnach, wenn die Reflexionen für die Veränderung verantwortlich sind. Die verschiedenen Lern- und Transfermodelle der Erlebnispädagogik sollen im folgenden vorgestellt werden.

Lernmodelle in der Erlebnispädagogik

In der modernen Erlebnispädagogik lassen sich drei Modelle unterscheiden, die zwar Ergebnis einer geschichtlichen Entwicklung sind, in der Praxis aber nebeneinander existieren und sich nicht gegenseitig ausschließen. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird ein und derselbe Prozess dargestellt.

The Mountain Speaks for itself“-Modell [

Dieses Modell lehnt sich an dem Thoreau'schen Motto: „Die Natur ist die beste Lehrmeisterin“ an. Es unterstellt die allgemeine Effizienz erlebnispädagogischer Maßnahmen in der Natur hinsichtlich Verhaltensänderungen. Es vertraut gänzlich auf den Sachzwang der Natur. Die Situation steht für sich selbst und ist so konstruiert, dass das Erlernte notwendige Folge des Handelns ist. Es ist nicht notwendig, mit Reflexion eine Aufarbeitung des Erlebten zu leisten.

Outward Bound Plus“-Modell

Dieses Modell baut auf die Vorstellungen „The Mountain speaks for itself“ auf. Allerdings sieht es eine anschließende Reflexion vor.

Metaphorisches Modell

Das Metaphorische Modell gilt als das Modell der Zukunft, das in den letzten Jahren auch hierzulande Verbreitung fand. Das „Outward Bound Plus“-Modell lag unter anderem der Kritik, dass Erlebnispädagogik sich aufgrund der Verschiebung hin zur Reflexion zu einer konventionellen therapeutischen Methode entwickelt. Das Metaphorische Modell wurde entwickelt, um Reflexion zu fördern, aber gleichzeitig die Erfahrungen und Erlebnisse nicht zu zerreden bzw. zu überfrachten. Die Lernsituation soll möglichst ähnlich zur Lebensrealität der Teilnehmer ausgestaltet werden. Die Lernrichtung der Teilnehmer kann u.a. durch Beispiele, Geschichten und Metaphern beeinflusst werden.

Der Transfer

Der Transfer ist ein entscheidender Faktor des Lernens aus erlebnispädagogischen Aktivitäten und Maßnahmen und meint die Übertragung von Lernerfahrungen in Lebenszusammenhänge und Alltagssituationen der Teilnehmer. Es werden in der Erlebnispädagogik drei verschiedene Formen des Transfers unterschieden:

  1. Der fachspezifische Transfer

    Beim fachspezifischen Transfer werden konkrete Verhaltensweisen und Lerninhalte soweit verinnerlicht, dass sie auch in anderen Lernsituationen verfügbar sind. (Beispiel: das Sichern beim Klettern kann auf das Sichern beim Abseilen übertragen werden.) Diese Erfahrungen haben in der Regel kaum Bedeutung für den Alltag.
  2. Der fachübergreifende Transfer

    Hierbei werden spezifische Lernerfahrungen zu künftigen Einstellungen, Prinzipien oder Verhaltensweisen verallgemeinert. Es werden keine Fertigkeiten sondern grundlegende Muster übertragen. (Beispiel: Problemlösungs- und Konfliktbewältigungsstrategien werden von einer erlebnispädagogischen Herausforderung in den Alltag transferiert.)
  3. Der metaphorische Transfer

    Ein metaphorischer Transfer findet statt, wenn in einer zum Alltag analogen bzw. „isomorphen“ (von gleicher Gestalt) erlebnispädagogischen Situation Lernerfahrungen gemacht werden, die zu Verhaltensänderungen führen können. Der Transfer findet hier entweder während der Aktivität anhand ähnlicher Strukturen oder nach der Aktivität mit Hilfe von Reflexion statt.

Der Transfer stellt das „zentrale Problem“ der Erlebnispädagogik dar. Folgende Transferhindernisse gilt es deshalb zu beachten bzw. zu verhindern:

  • Die Alltagssituation ist häufig viel komplexer gestaltet als die Lernsituation.

  • Bei kurzzeitpädagogischen Maßnahmen können keine langfristigen Lernprozesse initiiert werden.

  • Die Teilnehmer werden häufig im Transferprozess nicht begleitet.

  • Das Freizeitgefühl – häufig verursacht durch die Durchführung erlebnispädagogischer Maßnahmen in Urlaubsregionen – blockiert die Transfermotivation.

Der Transferproblematik entgegenwirken können klare Ziel- und Erwartungsabsprachen, bewusste Zusammensetzung der Teilnehmergruppen, längerfristige Vor- und Nacharbeit und die bewusste Anwendung von Transfertechniken.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Bedeutung dieser Methodik wird in den kommenden Jahren noch zunehmen, da sich die Erlebnispädagogik in Deutschland immer noch in den Kinderschuhen befindet und der Drang nach Erlebnissen immer weiter zunimmt. Eine neue Form dieser Denkschule findet als sog. „Spielpädagogik“ mit verkürztem therapeutischem Ansatz Anerkennung. In der "Christuszentrierten Erlebnispädagogik" nach Hans Peter Royer wird auch Gott und die Schöpfung in der Natur individuell "erfahrbar" gemacht.[6] In einer hochtechnisierten Welt wird es immer wichtiger diesem Urtrieb des Menschen, dem Drang nach Abenteuer, [3] gerecht zu werden. Im Bereich der Erwachsenenbildung hat die Erlebnispädagogik ihre Entsprechung in der sog. Suggestopädie gefunden, in der die wichtigsten Elemente hauptsächlich für den schnellen und gehirngerechten Lerntransfer in der Verbindung von kognitiven und affektiven Kompetenzen genutzt werden.