Erziehung im Nationalsozialismus

 

Erzieherische Konsequenzen

a) Allgemein


  • Individuelle Förderung, keine Prinzipienerziehung

  • keine Vorurteile in die Erziehung mit einbringen

  • Kindern Freiraum für eigene Entscheidungen lassen

  • kein übermäßiger Druck

  • keine Willkür in Pflichten und Regeln

  • Möglichkeiten zur Diskussion zwischen Erzieher und Kind gewährleisten

  • Empathie

  • Gefühle zulassen und zeigen

  • Identität und Selbstbewusstsein stärken

  • Kritikfähigkeit fördern

  • Ambiguitätstoleranz


 

Adorno:

 

- Autonomie

 

- Erziehung als Grundlage antifaschistischen Denkens

 

- Individuell, subjektbezogen

 

- Kraft zur Refexion, Selbstbestimmung und zum Nicht-Mitmachen

 

allgemeine Aufklärung und Aufarbeitung

 

politischer Unterricht wird zur Soziologie, um Hintergründe zu klären“

 

Gieseke:

 

- politische Erziehung

 

- Sozialisation als Grundlage antifaschistischen Denkens

 

- allgemein, gesellschaftsbezogen

 

- Gutes Sozialklima als Folge guter Politik

 

- Meinungsfreiheit

 

- Unabhängigkeit der drei Instanzen

 

- Aufklärung


 

Weizsäcker:

 

- ermutigen Einsichten und Überzeugungen zu vertreten

 

- Erziehung zu geistiger Freiheit, Urteilsfähigkeit, Meinungsbildung

 

- Verantwortungsvoller Umgang mit Freiheit

 

- Bildung von Verstand, Geist und Liebe

- Freiraum für eigene Erfahrungen

 

- Zeit und Zuwendung und Souveränität

 

- Ziel: unbeugsamer Geist und ein fühlendes Herz


Begünstigende Faktoren für faschistisches Denken:

Vorurteile, Autoritätshörigkeit ( es gibt ein autoritäres, nämlich potentiel faschistisches Reaktionspotential), Gehorsamsorientierung, Fremdenfeindlichkeit


psychoanalytisches Erklärungsmodell:

  • Massenführer als Ich-Ideal des Einzelnen → Durch Folgen verwirklicht man sich

  • Verschmelzung mit dem Führer, teilhaben an seinem Leben

  • Gewissen wird umgekehrt

  • es folgt ein Gemeinschaftsgefühl

  • Aggression wird nach außen auf Fremdgruppe projeziert (Es-Ebene)

  • Frustration, Strapazen dienen als Festigung des Ideals

  • Es folgt ein Abwehrmechanismus mit einer Darstellung ins Gegenteil

  • Ich-Ideal-> Zwang-> Ich-> Obsession-> Ich-Ideal

  • Hörigkeitsverhältnis → Unfreiheit → Gefühl der Befreiung → Erniedrigung → neues Selbstwertgefühl

  • hörige Liebe= Möglichkeit zur Distanzierung vom Objekt geht verloren

  • Tod Hitlers = Entblösung von Schutz → Scham → Abspaltung des falschen Ideals als Selbstschutz


Identitätsansatz:

  • Normative Gemeinsamkeit

  • Führer verleiht Individuum Identität „ Du bist Deutscher“

  • Typus

  • entweder Deutscher oder Feind

  • Feinde= Identitätsbedrohung

  • Alternative : Individualisierung


  1.  

    Grundbegriffe und Merkmale des NS-Staates

 

a)Faschismusbegriff

 

-verschiedene historische und ideologisch-politische Richtungen, darunter der Nationalsozialismus

 

-hierarchische Ordnung nach dem Führerprinzip

-rechtsradikale, autoritäre, totalitäre und nationalistische Regimes, Diktaturen und politische Gruppen

Faschismus ist heute der Sammelbegriff für alle antiliberalen und antisozialistischen totalitären Ideologien. Der Begriff wird vor allem mit dem des Nationalsozialismus (der abgesehen von intensivem Gemeinschaftskult nur dem Namen nach sozialistisch war) gleichgesetzt, da unter dem Nazi-Regime die Ideen des Faschismus besonders konsequent und erbarmungslos umgesetzt wurden.

 

b) Ideologien

 

-bezeichnet eine Weltanschauung oder ein System von Wertvorstellungen

-Als wertfreier Begriff ist Ideologie „die allen politischen Bewegungen, Interessengruppen, Parteien, aber auch Konzepten immanente“ Summe der jeweiligen Zielvorstellungen

-Im politischen Sinne dienen I. zur Begründung und Rechtfertigung politischen Handelns.

-Ideologie wird im deutschen Sprachraum oft als negativ besetzter Begriff verwendet weil Ideologie immer etwas mit politischem Absolutsetzen zu tun hat.

 

-kritisch: Einseitigkeit, Intoleranz, Manipulation





  1.  

    Merkmale und Ziele verschiedener Erziehungsinstitutionen:

     

    a) Normen und Werte der Erziehung Beispiel NS:

 

Lückenlose Erfassung in Jugendgruppen

 

Gleichschaltung

 

Betonung der körperlichen Bildung

 

Vorrang institutionalisierter Erziehung vor elterlicher

 

Erziehung basierte auf Rassenlehre

 

Orientierung am Führerprinzip (Faschismus)

 

Funktion der Familie: Vermehrung, Erhaltung der Rasse

 

Weitergabe von Werten durch Indoktrination

 

b) Merkmale der Schule:

 

Umerziehung der Lehrerschaft zur NS Ideologie

 

Vererbungs- und Rassenlehre

 

Auslese bei Lehrern

 

Hauswirtschaftslehre

 

Familienkunde

 

nationalsozialistische Inhalte

 

Reduzierte Wissensvermittlung

 

Stärkung der Rollencliches

 

Spezifische Schulen zur Auslese

 

Keine Frauen als Schulleiter

 

Qualifizierung und Dequalifizierung

 

Ideologievermittlung

 

Vermittlung von Intensitätsqualifikat

 

Integration

 

formal stark- Druck

= Erziehung von oben

 

Bedeutungsverlust der Schule



  1.  

    Merkmale der HJ/ BDM

 

Treue, Mut, Tapferkeit

 

Absolute Gehorsam

 

Blut und Rassen Ideologie

 

Besetzt die Freizeit

 

Kontrolle

 

kleine Erwachsene mit Pflicht

 

Jugendzeit verschwindet

 

Drill

 

steht über der Schule

 

Gemeinschaft Vorrang vor dem Ich

 

Körperliche Erziehung

 

Ideologievermittlung

 

Führergedanke

 

Auslesefunktion

 

=Erziehung von unten

 

HJ übernimmt immer mehr Funktionen


 

3. Grundbegriffe nationalsozialistischer Pädagogik


 

a) Vererbung und Anlage:

 

Erziehung an Einzelmenschen

 

Erziehung kann an Anlage nichts ändern

 

So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen

 

Erziehung lediglich Anpassungsvorgang

 

Schule- Selektion der Auserlesenen

 

b) Rasse

 

Mensch ist Charakter

 

Seele gelangt durch Bildung zu sich selbst

 

Mensch der Wirklichkeit entsprechend erziehen

 

Bildung des Charakters und der Intelligenz wichtig

 

Nicht von selbst sondern durch Erziehung gelangt die Seele zu sich selbst

  1.  

    Typus

 

Gleichförmigkeit der inneren Bildung

 

Gleichförmigkeit der politischen Haltung

 

Gleichförmigkeit des Bewusstseinskreises

 

Gleichförmigkeit der Funktionen

Erreicht man durch Zucht

Zusammenfassung
Grundbegriffe der NS‐Pädagogik (basierend auf Texten der NS‐Pädagogen):
Vererbung/Anlage:
‐ Anlagebestand ist nicht veränderbar
‐ Weg der Aufartung geht nur über Auslese u. Anlage, nicht Erziehung
‐ Aufartung eines Volkes kann nur über Kinderreichtum der Bessergearteten u. Kinderarmut der
Schlechtergearteten erfolgen, nicht durch Erziehung
‐ geschickte Erziehung kann in Grenzen einzelne zu fördernde Eigenschaften aus dem unabänderlichen
Wesensbestand eines Menschen aufrufen
‐ das völkische Vorbild bestimmt zu fördernde Eigenschaften bei den Schülern u. muss so betroffen
sein, dass es lebensfördernd wirkt, d.h. zur „Mehrung der höherwertigen Anlagen eines Volkes“
beiträgt
‐ Schule soll an der Auslese der Führerschicht aus der Schicht auserlesener Familien mithelfen, aus
deren Verschwägerungen die Erzeugung Hochbegabter erfolgt: „Verleiblichung der Bildungswerte
eines Volkes“
Rasse:
‐ Erziehung baut auf dem Fundament wissenschaftlicher Menschenkunde auf
‐ Charakter‐ und Intelligenzausbildung begründen eine Erziehungstheorie
‐ rassekundliches Denken entdeckt das wahre Prinzip der Bildsamkeit eines Menschen
‐ Aufgabe der Erziehung: das Fließend, das Dynamische des Charakters in richtige Form u. Richtung zu
bringen, wozu erst die Gemeinschaft beiträgt und erst durch diese kommt die Seele zu sich selbst
‐ diese spezifische Charakterform wird als Typus bezeichnet
‐ Bildung des Charakters wird durch Wesensmerkmale des Menschen begrenzt
‐ erst wenn Klarheit über den zu erzielenden Charakter herrscht, können Aussagen gemacht werden
über die Bedeutung der Rasse für die Erziehung
‐ Rasse: Charakter → Intelligenz
Typus:
‐ Typus ist Ausdruck der Formidee eines Menschen, diese Formidee ist der Nationalsozialismus
‐ Zucht ist die entscheidende typenformende Funktion mit dem Führer als Zuchtmeister
Erst in der Gemeinschaft erwächst der Typus (= Gleichförmigkeit der inneren Bildung, Gleichartigkeit
der Gesinnung)
‐ bestimmter Typus ist das Ergebnis von rassisch bedeutsamer Bildsamkeit u. bestimmenden Form‐
(=Erziehungs)einflüssen der Umwelt (Boden und geistige Welt der Volksgemeinschaft)
‐ Typuserziehung ist einheitliche Erziehung u. durch das Volk gefordert u. nur da möglich, wo ein festes
System von Gewöhnungen, ein Erziehungssystem gegeben ist

 

„Erziehung nach Auschwitz“- Pädagogische Konsequenzen aus der NS- Erziehung
Faktoren, die faschistisches Denken begünstigen:
- (Anfälligkeit für) Vorurteile
- Autoritätshörigkeit
- Gehorsamsorientierung
- Fremdenfeindlichkeit
Erzieherische Konsequenzen :
I. Allgemeine Konsequenzen:
- Keine Vorurteile in die Erziehung mit einbringen
- Kindern Freiraum für eigene Erfahrungen gewährleisten
- Individuelle Förderung , keine Prinzipien-Erziehung
- Kein übermäßiger Druck
- Keine Willkür in Pflichten und Regeln
- Möglichkeiten zur Diskussion zwischen Erzieher und Kind gewährleisten
- Empathie
- Gefühle zulassen und zeigen
- Identität und Selbstbewusstsein stärken
- Kritikfähigkeit fördern
- Ambiguitätstoleranz
- . . .
II. Adorno:
- Autonomie
- Erziehung als Grundlage für antifaschistischen Denkens
- Individuell, subjektbezogen
- Kraft zur Reflektion, Selbstbestimmung und zum Nicht- Mitmachen
- allgemeine Aufklärung und Aufarbeitung
- „politischer Unterricht wird zur Soziologie, um Hintergründe zu klären“
III. Giesecke:
- politische Erziehung
- Sozialisation als Grundlage für antifaschistisches Denken(Gegenpol zu Adorno)
- allgemein, gesellschaftsbezogen
- Gutes Sozialklima als Folge guter Politik
- Meinungsfreiheit
- Unabhängigkeit der drei Instanzen: Legislative, Judikative, Exekutive
- Aufklärung
IV. Weizsäcker:
- ermutigen, Einsichten und Überzeugungen zu vertreten (keine Gleichgültigkeit, sondern
innere Kraft und Gewissheit)
- Erziehung zu geistiger Freiheit, Urteilsfähigkeit, Meinungsbildung (nicht: Erziehung zum
Widerstand)
- Verantwortungsvoller Umgang mit der Freiheit
- Bildung von Verstand, Geist und Liebe
- Freiraum für eigene Erfahrungen geben
- Zeit und Zuwendung und Souveränität
- ZIEL: unbeugsamer Geist und ein fühlendes Herz