Hurrelmann

HURRELMANN

Sozialwissenschaftler!

Bilder von Kindheit:

18. Jahrhundert: Kind als unfertig

20. Jahrhundert: Autonomie des Kindes

Mitte 20. Jahrhundert: Kind als reines Wesen

Heute: Kind als Individuum

Hurrelmann kritisiert stereotype Kindheitsbilder:

Übertriebene Pädagogisierung: Eigenentwicklung von Kindern wird ignoriert

Moralisierung: Kind wird in Rolle des ethisch Guten gedränkt

Intimisierung: Kind als Lebensmittelpunkt der Eltern

Modell der produktiven Realitätsverarbeitung:

Seit der Mitte der 1980er Jahre hat Hurrelmann sein „Modell der produktiven Realitätsverarbeitung“ wiederholt und geändert, um neuen wissenschaftliche Einsichten gerecht zu werden

Aktuelles Modell wurde 2004 formuliert

Hurrelmann formuliert unter anderem acht Maximen in Form von Thesen

Maximen sind Teile eines handlungstheoretisch ausgerichteten Sozialisationsmodells zu verstehen

Hurrelmanns Modell der produktiven Realitätsverarbeitung beschreibt die  Entstehung von Ich-Identität. Identität ist das Ergebnis des Zusammenwirkens von subjektiven und Objektiven Faktoren.

Ich-Identität ist somit ein Produkt der aktiven produktiven und nicht 
immer bewussten Auseinandersetzung des Individuums.

Es ist das Modell der wechselseitigen Beziehungen zwischen Subjekt und gesellschaftlich vermittelter Realität, eines beeinflussenden Zusammenhang von individueller und sozialer Veränderungen und Entwicklung.

Hierbei wird das menschliche Subjekt in einen sozial und ökonomischen Kontext gestellt.

 

vier Entwicklungsaufgaben

1. Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz, um selbstverantwortlich schulischen und beruflichen Anforderungen nachkommen und so die Voraussetzung für eine selbsständige Existenz als Erwachsener sichern zu können;

2. Entwicklung der eigenen Geschlechtsrolle und des sozialen Bindungsverhaltens zu Gleichaltrigen des anderen sowie des eigenen Geschlechts, Aufbau einer Partnerbeziehung als langfristige Voraussetzung für die Erziheung eigener Kinder;

3. Entwicklung eines eigenen Werte- und Normensystems sowie eines ethnischen und politischen Bewusstseins, dem mit dem eigenen Verhalten und Handeln Rechnung getragen wird;

4.Entwicklung eigener Handlungsmuster für die Nutzung des Konsumwaren-
und kulturellen Freizmarktes(einschließlich Medien und Genussmittel), um eigenen Lebensstil zu entwickeln und autonom sowie bedürfnisorientiert mit entsprechendem Angeboten umgehen zu können.

Diese Entwicklungsaufgaben zeigen, wie weitreichend die Anforderungen an Jugendliche in dieser Lebensphase sind. Sie müssen bewältigt werden, damit sich der Jugendliche als Erwachsner im sozialen und gesellschaftlichen Leben gut zurechtfinden kann.

8 Maximen
Wechselspiel von Anlage und Umwelt
Prozess der Sozialisation – Verarbeitung von äußerer und innerer Realität
Schöpferische Konstruktion von Persönlichkeit in Selbststeuerung
Lebensgeschichtlich erstmalige Chance zu eigener Identität
Gefahr krisenhafter Entwicklung bei Überforderung von innen und außen
Notwendigkeit sozialer Ressourcen für die sich entwickelnde Persönlichkeit
Beste Unterstützung durch eine Netzwerk einflussreicher sozialer Instutionen
Jugend – eine neue eigenständige Phase im 21. Jahrhundert

1. Maxime:

Im Jugendalter gestaltet sich die Persönlichkeitsentwicklung in


einem Wechselspiel von Anlage und Umwelt. Hierdurch werden


auch die Grundstrukturen für die Geschlechtsmerkmale definiert.


Persönlichkeitsmerkmale werden etwa zur Hälfte durch genetische und zur


anderen Hälfte durch umweltliche und soziale Faktoren bestimmt.


Die genetische Ausstattung legt dabei Spielräume fest für ein ständiges


Wechselspiel zwischen Anlage und Umwelt.


Die Ausbildung männlicher und weiblicher Persönlichkeitsmerkmale macht in


der Jugend besonders deutlich, wie Genetik und Umwelt interagieren.

2. Maxime:

Im Jugendalter wird der Prozess der Sozialisation,
verstanden als produktive Verarbeitung äußerer und innerer Realität,
besonders intensiv und und musterbildend für den weiteren
Lebenslauf.

3. Maxime:

Menschen im Jugendalter sind schöpferische Konstrukteure ihrer
Persönlichkeit mit der Kompetenz zur eigengesteuerten Lebensführung.
Jugendalter: Phase alterstypischer Umbruchssituationen (Pubertät), Phase
mit unfertigem, noch offenem Charakter, Phase des Suchen und Tastens
Schöpferische Konstruktion der Persönlichkeit: eigengesteuerte und selbstverantwortliche
Entwicklung einer individuellen Ordnung mit selbstgesetzten
Zielen und Sinngebungen, einzupassen in die „aktuelle Lage“ einer sich
kontinuierlich rascher entwickelnden Gesellschaft

 

4. Maxime:

Die Lebensphase Jugend bietet die lebensgeschichtlich erstmalige Chance, in einem
spannungsreichen Prozess eine Ich-Identität aus der Synthese von Individuation
und Integration (Soziation) zu entwickeln und andauernd fortzuschreiben.

5. Maxime:

Der Sozialisationsprozess (Synthese von Individuation und Integration) kann krisenhafte
Formen annehmen, wenn Entwicklungsaufgaben (s.o.) nicht gelöst werden und so
Entwicklungsdruck entsteht.
 

6. Maxime:

Es sind personale Ressourcen und soziale Ressourcen notwendig.

 

7. Maxime:

Sozialisationsinstanzen sind Vermittler im Entwicklungsprozess.

8. Maxime:

Die Lebensphase Jugend ist unter den heutigen
sozialen, historischen und ökonomischen Bedingungen
in westlichen Gesellschaften als eigenständige Phase zu betrachten.

 

Konsequenzen:

Jugendliche bedürfen der Unterstützung durch Erwachsene

der Jugendliche braucht Ressourcen

Handlungsfreiheiten sind ebenso wichtig wie Haltepunkte

Jugendliche tragen selbst Mitverantwortung für die Sozialisation

für Krisen ist Unterstützung notwendig

Kritik:

gesamtgesellschaftliche Bedingung wird zu wenig berücksichtigt

Kontrolle der Medien wird nicht gefordert

es wird nicht geklärt welche Formen des Zusammenwirkens der Instanzen nötig sind

das Modell wird nicht allen Jugendlichen gerecht

Jeder Jugendliche hat andere Ressourcen

Verantwortung für Mitmenschen sollte thematisiert werden